Die Bibel ist nicht christlich!
(Dieser Thread wurde aus unserem Forum "Offizielles Forum der Ausbildungsgruppe für rituelle Magie und westliche Mysterien" kopiert und editiert. Dabei wurden die essentiellen Beiträge und Inhalte berücksichtigt.)
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Salomo schrieb am 06.04.2007 um 00:22:
Hallo!
Ich muß mal was loswerden... ich möchte wirklich niemandem auf die Füße treten, .... aber ich finde der Bergriff altes Testament (AT) irgendwie abschätzig... er ist in meinen Augen christliche Propaganda. (Das Attribut „alt" wurde im christlichen Antijudaismus oft im Sinne von „überholt", „abgelöst" und „ungültig" verstanden und gebraucht.) ... Korrekter wäre es entweder vom Tenach zu sprechen oder auch von der Bibel!!!
Ja, wie an anderer Stelle schon erwähnt: das Wort "Bibel" kommt von der griechischen Phrase ta biblia, "die Bücher", welche von den hellenistischen Juden einige Jahrhunderte vor dem Christentum verwendet wurde um ihre heiligen Bücher zu bezeichnen. Die Bibel beinhaltet also eigentlich nicht die christlichen Werke!
Die Bibel war auch nie ein Testament und somit ist die Benennung der christlichen Bücher als neues Testament irgendwie unsinnig. (Testament kommt von dem lateinischen "testamentum" = Bund, aber viel sinnvoller ist das auch nicht und es ist nach wie vor mißverständlich.)
Wer unbedingt unterscheiden will könnte von der „Hebräischen Bibel“ sprechen was aber auch nicht ganz korrekt ist, da ein Teil aramäisch ist. Also entweder "Hebräisch-Aramäische Bibel" oder die "Ursprüngliche Bibel" (bitte NICHT "erste Bibel") aber auch das impliziert ja eine nicht ursprüngliche Bibel oder ein Update (oder eine Nicht-Hebräisch-Aramäische Bibel) oder so und das ist dann doch wieder arrogant und dumm. Und somit bleiben wir einfach bei "die Bibel" und gut ... oder um Mißverständnisse zu vermeiden reden wir eben doch am besten vom "Tenach".
Tenach (תנ״ך) ist übrigens ein Notarikon (Akronym) aus den Anfangsbuchstaben der drei Hauptteile: der Tora ("Weisung" d.h. den fünf Büchern Mose), den Newi'im ("Propheten") und den Ketuwim ("Schriften").
Die christlichen Bücher könnte man dann sinnvoller Weise "christliches Testament" nennen wenn man will (aber bitte den Tenach NICHT als "jüdisches Testament" bezeichnen!!! ) oder "christliche Bücher" oder wenn man es eindeutiger will spreche man von den "kanonischen christlichen Büchern" oder wenn man es einfacher und allgemein verständlicher ausdrücken will vom "sogenannten neuen Testament". Das klingt zwar etwas kritisch, aber es ist die natürliche Folge (das Karma) der christlichen Arroganz, die einen Titel für diese Werke gewählt hat der so wie er ist eben überheblich und nicht akzeptabel ist.
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michael schrieb am 06.04.2007 um 00:36:
Wobei ich anmerken muss, dass in katholisch-theologischen Kreisen schon lange nicht mehr von AT und NT, sondern vom ersten Bund und vom zweiten Bund gesprochen wird.
Der erste Bund wurde nie aufgelöst (wie das einige christlice Splittergruppen glauben), ist nach wie vor gültig! Wie sollte es auch anders sein, denn G`TT steht zu seinem Wort und sagt nicht heute etwas, das er morgen nicht mehr meint.
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Salomo schrieb am 06.04.2007 um 08:57:
Das ist sicher etwas besser, aber es hat immer noch dieses blöde erstes zweites Ding...
Die Annahme das "sogenannte neue Testament" wäre Tenach Teil 2 ist Unsinn.
Vor allem wenn man bedenkt, daß die Mishnah, wörtlich die "Wiederholung" laut Natan ben Jechiel so heißt, weil sie "die Zweite" gegenüber der Torah ist , denn sie gilt seit jeher im Judentum als die mündliche Torah und somit einziger legitimer Kandidat für eine "Fortsetzung".
(Nebenbei bemerkt ist der Textkorpus der Mishnah nicht identisch mit der mündlichen Torah, da hier laut Tradition die esoterischen Inhalte fehlen - die sind nur Teil der qabbalistischen Überliferung.)
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Salomo schrieb am 06.04.2007 um 09:06:
...übrigens ich wollte nicht aussagen daß das "sogenannte neue Testament" an sich nicht einen eigenen Wert als spirituelles Werk hat, oder das Christentum an sich herabsetzen.
Ich weiß natürlich auch, daß es aus dem Judentum entstanden ist und sich zurecht als in dieser Tradition stehend sieht, aber es ist nicht so, daß es in irgendeinem Sinne der wahre Nachfolger des Judentums wäre. Es ist einfach eine jüdische Sekte, die einige wichtige Aspekte des Judentums für sich umgedeutet (oder nie richtig verstanden) hat, und die eben aufgrund ihrer Missionierungspolitik zahlenmäßig sehr einflußreich ist. Nicht mehr und nicht weniger.
(Anders gesagt, Christentum geht nicht ohne Judentum, aber die Bibel geht durchaus ohne Christentum - und vor allem ohne all die Negativen Auswüchse die viele Leute damit verbinden und zu unrecht dem Judentum mitunterstellen!
..nochwas ... es tauchte im Thread (Anm. dieser Thread) gelegentlich der Begriff der "jüdisch-christlichen Gottesvorstellung" auf, ich finde es nicht gut, daß diese beiden Weltanschauungen immer so bedenkenlos in einen Topf geworfen werden - meißt von Leuten die vom Judentum wenig wissen und mit dem Christentum schlechte Erfahrungen gemacht haben, die sie dann ganz selbstverständlich auf das Judentum übertragen und beides ablehen ohne das Judentum überhaupt richtig zu kennen. (Wer die Bibel nur als AT und NT kennengelernt hat, weiß nur weing davon, denn die christliche Interpretation ist sehr einseitig.)
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michael schrieb am 06.04.2007 um 11:18:
Für mich ist die christliche Interpretation der Bibel in sich schlüssig und ich ziehe sie den anderen Interpretationen vor. Für mich ist sie gerade so richtig verstanden
Mir ist klar, dass man sie auch anders interpretieren kann.
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Salomo schrieb am 10.04.2007 um 11:38: ...ich möchte nochmal etwas klarstellen
1. Ich möchte nicht die christliche Religion an sich irgendwie angreifen! (Ich möchte nur dafür sensibler machen, daß manche Begriffe einfach unangemessen sind. Persönlich fände ich es z.B. besser anstatt AT oder NT zu schreiben wenigstens das "sog. AT" oder das "sog. NT" zu schreiben, wenn man diese Begriffe unbedingt verwenden will. Das ist immernoch kurz und allgemeinverständlich aber es ist nicht so unhöflich und irreführend.)
2. Ich möchte ganz sicher nicht Michael (oder jemand anderem) unterstellen, daß er irgendetwas unrechtes im Sinne hatte wenn er Kürzel wie AT oder NT verwedet. Ich schätze Michaels Beiträge (und sein Wissen über das Christentum) sehr - das weiß er auch - aber ich erwähne es hier, damit bei den anderen Mitlesern kein falscher Eindruck entsteht.
3. Natürlich gibt es in jeder Religion Unsinn, worum es mit mit obiger Bemerkung ging (und geht) ist, daß es Menschen gibt die manche Erscheinungen des Christentums erlebt haben und es aus diesen Erfahrungen heraus ablehnen. Z.B. haben sie den Missionierungseifer, die verklemmte Haltung zur Sexualität und die untergeordnete Rolle der Frau erlebt und das schreckt sie vom Christentum ab. (Ob diese Erfahrungen verallgemeinerbar sind ist eine andere Frage, die nicht in diesen Thread gehört, aber es ist zumindest etwas das mit manchen Christen zu tun hat. Keiner wird leugnen können, daß diese Dinge im Christentum existieren und auch nicht so selten sind.) Was diese Menschen dann allerdings machen ist, sie pauschalisieren und tun so als würden ihre Erfahrungen auch gegen das Judentum sprechen, obwohl diese Dinge im Judentum so nicht vorkommen. Natürlich hat jede Religion ihre Probleme, aber wer das Christentum nicht mag sollte deshalb nicht pauschal gegen die Jüdisch-Christliche Religion sprechen, und seine negativen Erfahrungen auch auf das Judentum und die Bibel übertragen, denn das ist Unsinn. Viele Leute lehnen die Bibel ab, weil sie die Kirche (oder das Christentum) nicht mögen und dagegen möchte ich Einspruch erheben!!!
michael schrieb
Für mich ist die christliche Interpretation der Bibel in sich schlüssig und ich ziehe sie den anderen Interpretationen vor. Für mich ist sie gerade so richtig verstanden
Mir geht es da anders. Ich finde, daß christliche Theologen in die Bibel oft Dinge hereininterpretieren, damit sie zum Christentum passen. (z.B. die chistliche Messiasvorstellung.) Wenn Du ein Beispiel hast, wo Du die christliche Interpretation der Jüdischen vorziehst, dann wäre es interessant dies zu lesen! (Aber ich denke es ist besser dafür dann einen neuen Thread aufzumachen und hier nur einen Link zu diesem Thread zu setzen. Dasselbe gilt für die Unterscheidung von guten und schlechen Menschen - bitte ggf. in einem eigenen Thread.)
Grüße Salomo