Meditation und der innere Tempel

Meditationsanfänger mit Problemen

 
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Re: Meditationsanfänger mit Problemen
by Jay * (R3) - Sunday, 17 June 2012, 12:35 AM
 

Hallo Nina,

was das Thema "ohne Wecker" angeht: Wenn Dir das mehrere Leute empfehlen, lohnt es sich vielleicht auch, das einfach mal auszuprobieren.... :-)

Die Frage "Warum" ist natürlich trotzdem völlig berechtigt. Da gibt es aus meiner Sicht zwei Aspekte:

In der Meditation, die Du gerade machst - Fokus auf eine Sache, Bauchdecke, Atmung, oder was auch immer, zeitbezogen - hat ein Wecker zwei Probleme: Der Ausstieg ist eher unsanft, und er nimmt Dir zwei wichtige Freiheiten: Früher aufzuhören oder länger zu machen. Sinnvoll wäre hier möglicherweise eher, eine Uhr im Blickfeld zu haben - Zeiger, nicht digital - die Du ohne Anstrengung siehst. Dann kannst Du immer noch eine bestimmte Zeit meditieren, aber ohne fixes Ende-Signal. Aufhören oder nicht ist dann bei Dir, und nicht beim Wecker. Das ist ja auch tagesformabhängig - manchmal wird das halt schon früher als vor dem vorgenommenen Ende zu viel. Manchmal ist länger schön. Beides ist OK. Hier wäre das Ziel ganz klar: Kein Streß, und Meditationszeit in Deiner eigenen Entscheidung lassen. Meditieren ist kein Leistungssport. Mit der Uhr im Blick hast Du aber immer noch die Kontrolle - ein Wecker ist einfach nur nicht das geeignetste Instrument dafür.

Du kannst ja auch mal spaßeshalber eine Uhr hinstellen, aber umdrehen, und so lange meditieren, wie Du Dich wohlfühlst, dann nachsehen, wie lange das war. Ich vermute, wenn Du das ein paar Tage machst, wirst Du auf sehr ähnliche Zeiten kommen.

Davon abgesehen würde ich immer für diese Sorte Meditation empfehlen, es nicht zu übertreiben, weil das irgendwann einfach extrem langweilig wird. Das hilft dann nicht mehr bei Konzentration, sondern baut künstliche Barrieren auf, und die Meditation wird sehr unangenehm. Deinem ersten Posting würde ich entnehmen, daß Du von diesem Effekt schon etwas siehst (ich kann mich hier natürlich irren). Fang vielleicht mal mit 5-10 Minuten an und steigere Dich so, wie Du Dich wohl fühlst, und bloß nicht mehr. Regelmäßig 10 Minuten mit Spaß bringen hier viel mehr als jeden Tag 30 Minuten mit einem schlechten Gefühl.

Für themenbezogene Meditationen gibt es noch einen anderen Aspekt: Die sind fertig, wenn sie fertig sind, und nicht, wenn der Wecker fertig ist. Dh. entweder, wenn Du das Gefühl hast, Du hast ein paar vernünftige Erkenntnisse (das muß nicht erschöpfend sein - man darf auch mehrmals das gleiche Thema angehen) oder wenn Du das Gefühl hast, daß da in dieser Meditation nichts oder nichts mehr bei herumkommt. Auch hier: Beides ist OK, aber ein Wecksignal mitten in der Meditation ist hier mehr als störend..... Weitermeditieren, nur weil der Wecker noch nicht da war, ist hier auch überhaupt nicht zweckdienlich. Hier wirst Du vermutlich recht schnell bei einer "typischen" Zeit für Dich landen. Da hat ein Wecker aber wirklich nichts bei zu suchen, genauso wenig wie eine Zeitvorgabe. Ende oder nicht ergeben sich durch das Thema. Wenn Du mal wirklich Zeitdruck hast und trotzdem meditieren willst und das auch nicht verschieben kannst, kannst Du immer noch eine Uhr aufstellen, wie oben vorgeschlagen. Das ist zumindest etwas sanfter.

LVX,

Jay