Meditation und der innere Tempel

Meditationsanfänger mit Problemen

 
Picture of Sappho
Meditationsanfänger mit Problemen
by Sappho - Thursday, 14 June 2012, 6:59 PM
 

Hallo alle zusammen,

ich bin ein Meditationsanfänger und versuche dennoch mich in Meditationen zu üben. Dabei habe ich mir nur eine einfache ausgesucht, die vorerst nur meine Konzentration festigen soll. Ich konzentriere mich auf meine Bauchdeckenbewegung.
Obwohl ich viele Foren lese und viele Webseiten durchgeblättert bin, kann mir keiner so richtig helfen.
Meine Probleme sind die folgenden:
1) Ich neige dazu mein Vorhaben an zu brechen, obwohl ich meine Zeile deutlich aufgeschrieben habe.
2) Ich werde traurig: wenn nicht med., weil mir dann etwas fehlt. Wenn ich med., weil ich das Gefühl habe mit meiner Arbeit nicht hinterher zu kommen.
3) Ich hatte mal zwei Tagesmed.einheiten,jetzt nur noch eine. Ist es wichtig, eine gewisse erreichte Zeit pro Tag zu med. oder reicht z.B. auch nur eine halbe Stunde?
4)Wie wichitg sind feste Med.- zeiten? Z.B. morgen ums 6 Uhr. Es lässt sich in meinen Alltag recht schwer eine feste Zeit finden, eigentlich keine. Selbst wenn ich morgens um halb sechs aufstehen würde, hätte ich mindestens zweimal die Woche das Problem, dass ich erst gegen ein oder zwei Uhr morgens nach Hause komme. Soll ich dann aufstehen, med. und wieder weiter schlafen? Macht das Sinn?
5)Welche Relevanz hat die Steigerung der Med.zeit von beispielsweise 30 auf 45 min.?

Ich med. dennoch weiter. Habe aber eher das Gefühl, dass ich in meinem alltäglichen Leben immer fauler werde. Ich schaffe nichts mehr. Setz ich mich zu sehr unter Druck? Meine Vermutung ist, dass meine ganzen alten Konditionen, die ich mir in meinem bisherigen Leben fleißig angesammelt habe, ich jetzt wahrnehme oder sie jetzt hervorkommen. Wie dagegen an zu gehen ist, weiß ich auch nicht recht.

Auf jede Antwort bin ich sehr dankbar.
LG Sappho

Picture of Jay * (R3)
Re: Meditationsanfänger mit Problemen
by Jay * (R3) - Saturday, 16 June 2012, 12:05 AM
 

Hallo Sappho,

mal anbei meine ersten Gedanken, wenn ich das lese: Du schreibst "auch nur eine halbe Stunde". Und das nur mit Konzentration auf die Bauchdecke? Das wäre zumindest für mich zu stinkend langweilig, um es auch nur ansatzweise in Erwägung zu ziehen. Respekt, wenn Du das einigermaßen durchhältst, aber einfach ist das eher nicht. Als einfacher würde ich da eher themenbezogene Meditationen einstufen. Schau mal auf http://www.qabbalah.de/meditationen.html, vor allem die "100 Meditationsthemen." Das könnte Dir das Leben etwas leichter machen, und da kann man einiges für sich selbst herausholen (und außerdem nachvollziehen, was das ist, das man dabei gewinnt).

Ich würde sagen, regelmäßig ist wichtiger als lang. Versuch's einfach mal mit 10-15 Minuten pro Tag, und wenn Du Dich damit wohlfühlst - und nur dann, auch länger. Aber vor allem: Kein Streß oder Leistungsdruck. Das sollte Spaß machen. Zwei mal pro Tag muß auch nicht sein, einmal oder ab und zu keinmal reichen auch.

Feste Zeiten sind interessant, weil solche Dinge einfach leichter sind, wenn man sich dran gewöhnt - z.B. jeden Morgen nach dem Aufstehen. Das ist es aber auch schon. Auch hier gilt: Kein Streß, und vor allem keinen Wecker stellen. Wenn Du nicht immer dieselbe Zeit schaffst, meditiere wann anders oder mach halt mal einen Tag Pause. Das ist auch OK. Oder einfach immer nach dem Aufstehen - auch das schafft eine Gewohnheit. Die feste Zeit ist völlig irrelevant.

Zu 5) Das ist Leistungsdruck, und sonst nichts. Wenn eine Meditation von alleine diese Zeit dauert, ist das OK. Wenn Du dazu einen Wecker stellen mußt, um nicht früher aufzuhören, ist es das nicht. Die einzige Relevanz ist, daß Dir so etwas, wenn erzwungen, das Meditieren versauert.

Zu Deiner Frage "Setz ich mich zu sehr unter Druck" würde ich sagen: Das hört sich sehr danach an. Das läßt sich aber natürlich nicht so einfach beurteilen. Zumindest, was Meditationen angeht würde ich aber sagen: Laß mal etwas lockerer angehen. Das macht mehr Spaß und ist außerdem effektiver.

Du kannst hier noch eine Sache machen: Wenn Du themenbezogene Meditationen machst, schreib Deine Ergebnisse auf (wie in http://www.qabbalah.de/meditationen_tagebuch.html beschrieben) und schau alle paar Wochen mal drüber, was es Dir gebracht hat. Dann hast Du auch einen Weg vor Augen (der sich von alleine ergibt - bloß keine Etappenziele festlegen).

Was Dein alltägliches Leben angeht, kann ich natürlich auch nichts sagen. Das könnte natürlich zu viel Druck sein - auf Deine eigene Intuition zu hören, ist hier sicher nicht ganz falsch. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen (und das ist persönlich und nicht unbedingt übertragbar): Wenn ich faul werde, habe ich meistens zu viel um die Ohren, und es hilft dann, erst mal eine Sache vernünftig anzugehen - der Rest zieht dann nach. Wie gesagt, eine persönliche Erfahrung - wie das für Dich ist, mußt Du selbst beurteilen.

LVX,

Jay

Picture of Sappho
Re: Meditationsanfänger mit Problemen
by Sappho - Saturday, 16 June 2012, 7:33 PM
 

Hallo Jay N,

 

ich habe noch eine Frage und zwar zum Thema Wecker stellen bei der Meditation: warum ist das Stellen des Weckers für dich ein Hindernis?Geht es dir dabei, dass erst gar kein Stress bei der Med. entsteht oder hat das noch weitere Gründe?

Es ist nicht so,  dass du der erste bist, der das empfiehlt. Allerdings habe ich nie den Sinn in einer Med. ohne Wecker am Anfang für sinnvoll gesehen. Die Med. neigt auf diese Weise, meiner Meinung nach, lapidar zu werden und führt dabei eher weiniger zur Konstanz.

 

LG Nina

Picture of Jay * (R3)
Re: Meditationsanfänger mit Problemen
by Jay * (R3) - Sunday, 17 June 2012, 12:35 AM
 

Hallo Nina,

was das Thema "ohne Wecker" angeht: Wenn Dir das mehrere Leute empfehlen, lohnt es sich vielleicht auch, das einfach mal auszuprobieren.... :-)

Die Frage "Warum" ist natürlich trotzdem völlig berechtigt. Da gibt es aus meiner Sicht zwei Aspekte:

In der Meditation, die Du gerade machst - Fokus auf eine Sache, Bauchdecke, Atmung, oder was auch immer, zeitbezogen - hat ein Wecker zwei Probleme: Der Ausstieg ist eher unsanft, und er nimmt Dir zwei wichtige Freiheiten: Früher aufzuhören oder länger zu machen. Sinnvoll wäre hier möglicherweise eher, eine Uhr im Blickfeld zu haben - Zeiger, nicht digital - die Du ohne Anstrengung siehst. Dann kannst Du immer noch eine bestimmte Zeit meditieren, aber ohne fixes Ende-Signal. Aufhören oder nicht ist dann bei Dir, und nicht beim Wecker. Das ist ja auch tagesformabhängig - manchmal wird das halt schon früher als vor dem vorgenommenen Ende zu viel. Manchmal ist länger schön. Beides ist OK. Hier wäre das Ziel ganz klar: Kein Streß, und Meditationszeit in Deiner eigenen Entscheidung lassen. Meditieren ist kein Leistungssport. Mit der Uhr im Blick hast Du aber immer noch die Kontrolle - ein Wecker ist einfach nur nicht das geeignetste Instrument dafür.

Du kannst ja auch mal spaßeshalber eine Uhr hinstellen, aber umdrehen, und so lange meditieren, wie Du Dich wohlfühlst, dann nachsehen, wie lange das war. Ich vermute, wenn Du das ein paar Tage machst, wirst Du auf sehr ähnliche Zeiten kommen.

Davon abgesehen würde ich immer für diese Sorte Meditation empfehlen, es nicht zu übertreiben, weil das irgendwann einfach extrem langweilig wird. Das hilft dann nicht mehr bei Konzentration, sondern baut künstliche Barrieren auf, und die Meditation wird sehr unangenehm. Deinem ersten Posting würde ich entnehmen, daß Du von diesem Effekt schon etwas siehst (ich kann mich hier natürlich irren). Fang vielleicht mal mit 5-10 Minuten an und steigere Dich so, wie Du Dich wohl fühlst, und bloß nicht mehr. Regelmäßig 10 Minuten mit Spaß bringen hier viel mehr als jeden Tag 30 Minuten mit einem schlechten Gefühl.

Für themenbezogene Meditationen gibt es noch einen anderen Aspekt: Die sind fertig, wenn sie fertig sind, und nicht, wenn der Wecker fertig ist. Dh. entweder, wenn Du das Gefühl hast, Du hast ein paar vernünftige Erkenntnisse (das muß nicht erschöpfend sein - man darf auch mehrmals das gleiche Thema angehen) oder wenn Du das Gefühl hast, daß da in dieser Meditation nichts oder nichts mehr bei herumkommt. Auch hier: Beides ist OK, aber ein Wecksignal mitten in der Meditation ist hier mehr als störend..... Weitermeditieren, nur weil der Wecker noch nicht da war, ist hier auch überhaupt nicht zweckdienlich. Hier wirst Du vermutlich recht schnell bei einer "typischen" Zeit für Dich landen. Da hat ein Wecker aber wirklich nichts bei zu suchen, genauso wenig wie eine Zeitvorgabe. Ende oder nicht ergeben sich durch das Thema. Wenn Du mal wirklich Zeitdruck hast und trotzdem meditieren willst und das auch nicht verschieben kannst, kannst Du immer noch eine Uhr aufstellen, wie oben vorgeschlagen. Das ist zumindest etwas sanfter.

LVX,

Jay